„the one, who does‘nt move be left on the shelf“

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oder „wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen“.

Für uns in der deutschen frühpädagogischen Bewegung und Entwicklung haben die Forschungsergebnisse rund um die Hirnforschung im vergangenen Jahrzehnt erhebliche Veränderungen mit sich gebracht. Die Entdeckung der Potentiale der Jüngsten, den Krippenrechtsanspruch und die Konsequenzen für die Konzeptionierung und Organisation von Lernen „von klein auf“. Einfach war, und wenn wir ehrlich sind, ist das für die Praxis immer noch nicht – und als ehemalige Trägervertreterin wie auch als Fortbildnerin und Beraterin begegnet mir noch ausreichend angebotsbezogene Pädagigik. Projektarbeit, Relevanz des vorbereiteten Raums und das Potential aus der Beobachtung kindlichen Bildungsverhaltens – haben noch ein paar Jahre vor sich, bis ganz zum selbstverständlichen Alltagshandeln werden. Soweit zur „eigenen Haustür“.

Und hier in den südindischen Zusammenhängen, in denen ich mich aktuell bewegen kann?

Hirnforschung ist bisher kein Lehrinhalt im housmothertrainingcenter und die, in anderen Beiträgen hier schon beschriebene praktische Arbeit legt nahe, auch nicht in Fort- und Weiterbildungen oder der creche-teacher Ausbildung. Kurzum ich habe mir – ich gestehe es – diesen Inhalt auch erstmal etwas habhafter für die Anwendung in der Fortbildung erarbeiten müssen – dann übersetzend und mit indischen Beispielen anreichernd, um die Kopplung zu gewährleisten.

In jedem Fall hat der Transfer dann in die praktischen Konsequenzen geklappt:

  • die Entdeckung der Relevanz von Motorik mit dem Ziel einen bewegten, abwechslungsreichen Lern-Alltag anzuregen
  • die Entdeckung kreativer Potentiale – mal ohne Vorlage arbeiten und sich selbst dabei erleben
  • die Entdeckung der Sinne und die Entwicklung von kleinen Forschungsmaterialien

haben große Experiementierlust unter den Trainees ausgelöst, die in der Aussage gipfelte: we are’nt hungry for lunch; we are hungry in our head. We stay here.

Die Experiementierlust zeigt dann prompt Wechselwirkungen – und ganze Unterrichtsvormittage zwischen Theorie und praktischen Beispielen zum Mitmachen (und hoffentlich später Nachahmen und Weiterentwickeln) vergehen wie im Flug bei 30° und großer Schwüle. Und etwas hektisch gestaltet sich dann die Vorbereitung für den nächsten Tag…

Die Trainees erarbeiten Gesichter und Figuren aus Naturmaterialien und trauen sich in Kleingruppen verschiedene Verfahren auszuprobieren; sie folgen – zu erst deutlich zögerlich, dann mit großer Freude mir durch einen Bewegungsparcour, sie zählen Klinkersteine und springen von Treppenstufen mit Zahlen und entdecken Mathematik im Naturraum. (einen herzlichen Dank an dieser Stelle an meinen ehemaligen Mitarbeiter Hans Klöden, der als Pädagoge den Naturpädagogischen Fachdienst in Reutlingen aufgebaut hat und verantwortet und mich mit englischen Fachliteratur aus seiner eigenen freiberuflichen Arbeit versorgt hat)

Vorallem entdecken sie auch – dass das „alles rumliegt“, und nichts kostet.

Und noch besser „we are happy“ – der selbst erbrachte Nachweis zu Dopaminbasiertem Lernen.

Immer noch ist den jungen Frauen wichtig, jede Nuance ihres (selbst)lernenden Handelns auch mir zu zeigen, zu zurufen und am Besten fotografiert und am nächsten Tag präsentiert zu bekommen. Das lange Training, dass das gute Ergebnis von Lernen die notengebende Einschätzung der zu meist stehenden Lehrerin ist, zeigt seine Wirkung und kann auch nicht einfach abgelegt werden.

Selbstreflexiv Lernen anhand der aufbereiteten Bilder ihres eigenen Handelns, die Erklärungen zu Konzentration, an was man sie sehen kann, das Herausarbeiten ihrer unterschiedlichen Vorgehensweisen und die Beachtung ihrer Planungen in den Kleingruppen z.B bei der „Gesichteraufgabe“ läßt sie gebannt zu hören, sie beginnen sich mitzuteilen, stimmen ein…lernen

gemeinsam planen
gemeinsam planen

stolz!

Stolz sein auf das Ergebnis!

der Zahlenraum bis 10 mal anders bearbeitet als laut rufend mit Stock an der Tafel gezeigt
der Zahlenraum bis 10 mal anders bearbeitet als laut rufend mit Stock an der Tafel gezeigt
einen Bewegungsparcour selbst erleben - in der Reflexion meldeten sie zurück, dass sie erstaunt hatte, dass ich mitgelaufen bin; erst dann haben sie sich getraut zu balancieren und zu springen
einen Bewegungsparcour selbst erleben – in der Reflexion meldeten sie zurück, dass sie erstaunt hatte, dass ich mitgelaufen bin; erst dann haben sie sich getraut zu balancieren und zu springen
sich bewegen macht gute Laune
sich bewegen macht gute Laune

 

 

lernen und lehren, lehren und lernen kann echt Spaß machen (auch in meinem schlechtem Englisch) – für alle, die Trainees, die übersetzende Rektorin und mich!

Eine Antwort

  1. André Dupuis

    Das hört sich ja total spannend an, offensichtlich haben Sie die Teilnehmerinnen sehr zum Mitmachen gebracht. Das ist es, was sicherlich auch wirkt. Noch viel Spaß und spannende Begegnungen.
    Viele Grüße
    André Dupuis